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2/2002

Lambert Rosenbusch, Architekt geb.1940

Studium der Philosophie in Frankfurt und der Architektur in Braunschweig.
Atelier für Architektur in Hamburg seit 1969.
Professor an der Hochschule für bildende Künste Hamburg seit 1973

Zur Produktion zählen:

Bauten und Projekte im In- und Ausland, Bauaufnahmen, Zeichnungen und Skizzen zur klassischen Architektur, Malerei, Fotografie und Produktgestaltung, Werbung, Film und Fernsehen.
Veröffentlichungen, Reden und Aufsätze zu allgemeinen Fragen der Architektur- und Designtheorie, zur Entwurfslehre in der Neuzeit sowie kritische Stellungnahmen zu Problemen der Denkmalpflege, des Bauens, der Produktgestaltung und des Städtebaus.
Zahlreiche Ausstellungen.

Der aufgrund seines vielseitigen Studiums weit über das geläufige Gebiet des Bauens interessierte Architekt lebt und arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Hansestadt. Seit seinen ersten Tagen in Hamburg betreibt er ein Entwurfsatelier, in dem neben Architektur- und Städtebauprojekten vielerlei Aufgaben aus dem Gebiet der bildenden Kunst im weitesten Sinne bearbeitet werden. Seine Auftraggeber entstammen den unterschiedlichsten Gruppen. Dazu zählen neben privaten Klienten, Unternehmen des öffentlichen Bereiches, staatliche Behörden und die Industrie.

Neben seiner Tätigkeit als Architekt liegt sein Arbeitsgebiet vor allem in den übergreifenden Zonen des geisteswissenschaftlichen, künstlerischen und technischen Umfeldes. Dazu zählen vorrangig die klassischen Disziplinen der bildenden Kunst, Bildhauerei, Malerei und Grafik ebenso wie insbesondere die modernen Formen des Kunstgewerbes. Raumgestaltung, Produktentwurf, Bühnenbild und Industrial Design sind die Fächer des Architekten, deren Entwurfsregeln nach seiner Auffassung heutzutage vorrangig bestimmt werden von den Verfahren der industriellen Produktion.

Einen großen Teil seiner Beschäftigung widmet Lambert Rosenbusch der Architekturtheorie und den ihr benachbarten Gebieten. Hierzu zählen, hergeleitet aus den frühen Quellen der Antike und der Renaissance, die geometrisch mathematischen Grundlagen der Proportions- und Harmonielehre, besonders in Bezug auf die Verbindung der bildenden zur darstellenden Kunst.

Als Architekt vertraut mit dem Umgang von Formen, Materialien und Massen aber auch bewandert in der Bewältigung und Durchführung technisch schwierig zu lösender Aufgabenstellungen, liegt der Schwerpunkt aller Projekte in seinem Bestreben, die gestalterischen Anforderungen der Gegenwart in theoretischer wie praktischer Hinsicht werkgerecht zu lösen. Hier schließt sich seine Forschung an mit der Frage nach den Ursachen des künstlerischen Handelns. Dieses geschieht vorrangig aus einem geschichtlichen in der Regel bauhistorischen Ansatz. So steht bei Lambert Rosenbusch neben dem Bauen, dem Entwerfen von Gebäuden in gleicher Weise die geistige Reflexion auf den Sinn des Machens. Das Aufnehmen von Architekturen bildet in seinem Programm die Basis allen Schaffens. Die Arbeit mit Zirkel und Lineal am Objekt und am Reißbrett ist der Ursprung, auf den sich alle, selbst modernste technische Verfahren zurückführen lassen. Für ihn sind die Instrumente des Euklid Sinnbild seines humanistisches Weltbildes, in dem der Mensch der Mittelpunkt allen Handelns zu sein hat. Es haben sich nach seiner Auffassung im Verlaufe der Jahrhunderte die Mittel geändert, nicht aber die Aufgaben. Letztere sind seit je die gleichen geblieben. Der Gestalter hatte immer den Auftrag einer zeitgemäßen Formulierung seiner Werke.

In diesem Zusammenhang hält der Architekt die Neufassung eines Bühnenbildes in einer aktuellen Sprache auf dem Theaterboden ebenso für ein Problem der Baukunst, wie einen abzufassenden Schriftsatz oder das Gutachten über die Wertung eines technischen Produktes. Als Architekt sieht sich Lambert Rosenbusch in diesem Verständnis als Wahrer einer umfassenden Weltsicht mit dem unbedingten Auftrag, den ganzheitlichen Menschen zu fordern und ihn vorzuleben.

Der Baumeister, so sagt er, fühlt sich verantwortlich durch Tun.

Des Künstlers Kreativität ist die Fähigkeit das Große im Nebensächlichen zu entdecken, den Zugang zur Kunst aus Bescheidenheit zu finden. Das will gelernt sein, und bedarf der Askese in täglicher Übung, von der nach seiner Meinung niemand ausgenommen ist, nicht Lehrling und nicht Meister. Denn nur Bescheidenheit, so seine Lehre, weist den Weg, den Wert der Dinge zu erkennen. Sie ist die unverzichtbare Voraussetzung im Bemühung des Künstlers um die Stilfindung.

(Auszug aus BDB, Sonderausgabe Architektursommer 1997)